Feliz cumpleaños, ÖKG!

Rede zur 50-Jahr-Feier der Österreichisch-Kubanischen Gesellschaft, 6.4.2019

von ÖKG-Vorsitzenden Michael Wögerer

Queridas compañeras y copañeros!
Liebe Kuba-Freundinnen und – Freunde!

Mag. Michael Wögerer
Vorsitzender der ÖKG 2011 – 2015 und seit 6.4.2019

Schön wieder hier zu sein! Schön, euch zu sehen!
Acht Jahre ist es her, als ich am 25. Februar 2011 zum ersten Mal als frisch-gewählter ÖKG-Vorsitzender hier im Palais Niederösterreich gestanden bin. Einige von euch werden sich noch erinnern. Damals befand sich unsere Organisation in keiner einfachen Situation, mit über 40-Jahren vermutlich so etwas wie in einer Midlife-Crisis. Ich bin froh, dass wir diese erfolgreich überwunden haben.

Diese Räumlichkeiten sind jedenfalls bereits eng mit der Geschichte der ÖKG verknüpft, auch unsere 40-Jahr (3.12.2010) & 45-Jahr-Feier (12.4.2014) fand in diesem ehrwürdigen Rahmen statt.

Mit nunmehr 50 Jahren ist die Österreichisch-Kubanische Gesellschaft eine der ältesten Freundschaftsgesellschaften Österreichs – und darüber hinaus auch eine der an Mitgliedern stärksten.

Was macht unsere Gesellschaft so besonders?

  1. Wir waren von Beginn an klar politisch ausgerichtet und kein Verein, der sich nur folkloristisch auf Kuba bezog. Che Guevara und Fidel waren also immer wichtiger als Rum, Zigarren und Salsa – obgleich ich den Faktor Kultur nicht geringschätzen möchte.
  2. Die ÖKG war immer auch offen für andere Themen und bereit ihre Solidarität mit Kuba auf andere Länder auszuweiten, insbesondere natürlich mit Lateinamerika.
  3. Wir haben uns immer wieder kritisch mit uns selbst und unserer Solidaritätsarbeit auseinandergesetzt und – wenn es notwendig war – das verändert, was verändert werden musste.

Ich denke, dass wir uns damit Kuba und die kubanische Revolution zum Vorbild genommen haben und uns an das von Fidel Castro in folgenden Worten beschriebene Konzept der Revolution orientiert:

„Revolution ist das Gefühl für den historischen Moment; es bedeutet, alles zu verändern, was verändert werden muss; volle Gleichheit und Freiheit; den andern als menschliches Wesen zu behandeln und selber als ein solches behandelt zu werden; uns selbst aus eigener Anstrengung zu emanzipieren; die mächtigen Kräfte herauszufordern, die innerhalb unseres sozialen und nationalen Umfeldes herrschen; die Werte zu verteidigen, an die man glaubt und dafür jeden Preis in Kauf zu nehmen; [Revolution heißt] Bescheidenheit, Uneigennützigkeit, Altruismus, Solidarität und Heldenhaftigkeit; mit Mut, Intelligenz und Realismus zu kämpfen; niemals zu lügen und niemals ethische Prinzipien zu verletzen; [es ist] die tiefe Überzeugung, dass keine Macht der Welt in der Lage ist, die Kraft der Wahrheit und der Ideen zu vernichten. Revolution bedeutet Einheit, Unabhängigkeit, [Revolution] bedeutet, für unsere Träume von Gerechtigkeit für Kuba und für die Welt zu kämpfen, sie ist die Basis für unseren Patriotismus, unseren Sozialismus und unseren Internationalismus.“ (Fidel Castro, 1. Mai 2000)

50 Jahre ÖKG sind 50 Jahre erfolgreiche Solidaritätsarbeit mit Kuba auf unterschiedlichen Ebenen.
In Zusammenarbeit mit dem Kubanischen Freundschaftsinstitut ICAP und mit unseren Freundinnen und Freunden in der kubanischen Botschaft haben wir in diesen Jahren vieles erreicht, auf das wir stolz sein können.

Trotz Feierlaune müssen wir heute aber auch an jene denken, die nicht mehr bei uns sind. Stellvertretend für alle verstorbenen Mitglieder möchte ich an Prof. Albrecht Konecny (1942-2017) erinnern, Gründungsmitglied der ÖKG, langjähriger Kuratoriumsvorsitzender und ÖKG-Präsident von 2015 – 2017.

Als Jessica Müller vor zwei Jahren (18.3.2017) den Vorsitz der ÖKG von Albrecht übernommen hat, war dies auch ein Zeichen der Erneuerung und Verjüngung der Organisation. Seither sind viele neue Mitglieder aus den unterschiedlichen Jugendorganisationen zu uns gekommen. Dafür gebührt Jessica ein großer Dank! Aus erfreulichen privaten Gründen hat uns Jessica vor ein paar Monaten mitgeteilt, dass sie nicht mehr als Vorsitzende zur Verfügung steht. Trotzdem wird sie das Vorsitzteam als Stellvertreterin weiter unterstützen. Ich wünsche Jessica und ihrem Freund Max auf diesem Weg alles Gute für die Zukunft und wir freuen uns schon auf das jüngste Mitglied in der ÖKG-Familie.

Ich bin gebeten worden als nunmehr wieder neu-gewählter Vorsitzender nicht nur in die Vergangenheit zu blicken, sondern meine Ideen für die kommenden Jahre der ÖKG zu präsentieren. Da unser Schicksal untrennbar mit dem weiteren Verlauf der kubanischen Revolution verbunden ist, erlaubt mir zuvor einen kurzen Blick nach Kuba.

Kürzlich wurde eine neue demokratische Verfassung mit überwältigender Mehrheit beschlossen. 86,8 Prozent stimmten mit „Ja“ und 9 Prozent mit „Nein“. Die Wahlbeteiligung lag bei 90,1 Prozent.
Der Weg zu dieser neuen Verfassung zeigt, dass es in Kuba entgegen der hierzulande verbreiteten Meinung, sehr wohl eine funktionierende demokratische Mitbestimmung gibt. Da oppositionelle Kräfte in Kuba sich für die Teilnahme an der Abstimmung ausgesprochen hatten, ist somit auch der Beweis vollbracht, dass die Gegner des sozialistischen Kubas deutlich in der Minderheit sind.

In wenigen Wochen werden einige von uns die Möglichkeit haben sich vor Ort ein Bild über die aktuelle Situation in Kuba zu machen. Gemeinsam mit weltumspannend arbeiten, dem entwicklungspolitischen Verein im ÖGB, organisieren wir eine Begegnungsreise mit interessierten GewerkschafterInnen und ÖKG-Mitgliedern. Im Anschluss an die Reise werden wir im „Havanna Club“ über unsere Eindrücke berichten.

Somit bin ich auch schon bei der Zukunft angelangt.

In den kommenden Jahren müssen wir in der Österreichisch-Kubanischen Gesellschaft die Weichen stellen, um sicherzustellen, dass wir auch in 10, 30 oder 50 Jahren unser Jubiläum feiern können Hierzu wird es notwendig sein intensive Gespräche mit uns nahe stehenden Jugendorganisationen zu führen, welche Angebote wir vor allem jungen Menschen machen können, um sie nachhaltig für unsere Solidaritätsarbeit gewinnen zu können.

Zu diesem Zweck muss es uns gelingen nicht nur mehr Menschen für die Veranstaltungen im „Havanna Club“ oder unserer Regionalgruppen zu interessieren, sondern in Kooperation mit anderen Organisationen über unsere gewohnten Räumlichkeiten hinaus zu wirken.

Auch die Zusammenarbeit mit der kubanischen Community in Österreich sollte verstärkt werden. Nutzen wir doch die Talente der tausend Kubanerinnen und Kubanern in diesem Land, um unseren Mitgliedern auch verstärkt kulturelle Angebote (z.B. Tanzkurse, Musikkurse,…) anbieten zu können.

Einen der wichtigsten Punkte unserer Solidaritätsarbeit sehe ich im Bereich der Öffentlichkeits- und Medienarbeit. Bereits in unserer Gründungserklärung am 2. April 1969 heißt es dazu:

„Da wir Österreicher nur aufs dürftigste über Kuba unterrichtet werden, richtiger: da die meisten der hiesigen Massenmedien darauf abzielen unsere Kuba-Ignoranz zu kultivieren, halten wir es für erforderlich, eine Organisation zu gründen, die jedem Interessierten die Chance geben würde, sich über alle Kuba und die kubanische Revolution betreffenden Probleme und Tatsachen zu unterrichten.“

An dieser Situation hat sich auch 50 Jahre danach nichts geändert. Wir müssen alle uns zur Verfügung stehenden Mittel dafür einsetzen, um die Realität Kubas in der Öffentlichkeit darzustellen, klassische und neue Medien nutzen, die Kuba-Ignoranz weiter zu bekämpfen.

An dieser Stelle möchte ich unseren Generalsekretär Hermann Pernerstorfer ausdrücklich hervorheben, der seit Jahrzehnten unser CUBA SI redaktionell betreut und meines Erachtens dafür viel zu wenig gewürdigt wird  – muchas gracias, Hermanito!

Im Juni wird sich der heute neugewählte Vorstand im Rahmen einer Klausur zusammensetzen, um die Aktivitäten und Schwerpunkte für die kommenden Jahre zu erarbeiten. Aber auch alle Mitglieder sind aufgerufen diesen Prozess mit ihren Ideen mitzugestalten.

Ich brauche euch nicht erzählen, was Kuba für uns alle bedeutet, wie gut es tut, dass es auf dieser Welt diese kleine Insel gibt, die trotz US-Blockade, trotz dem Terror und dem erbitterten antikommunistischen Medienkrieg, am weiteren Aufbau des Sozialismus festhält. Ich betone es immer wieder, dass es nicht die Kubanerinnen und Kubaner sind, die sich bei uns für unsere Solidarität bedanken müssen, sondern wir uns bei ihnen für die Kraft, die sie uns geben, weil sie die manchmal zur Floskel verkommene Rede von der „anderen Welt“ in die Tat umsetzen, weil in Kuba wirklich der Mensch zählt, während dies hierzulande höchstens auf Plakate gedruckt wird; weil Kuba für uns auch im Bereich der internationalen Solidarität ein großes Vorbild ist.

Dieter Schrage, ehemaliger Vorsitzender der ÖKG, sagte zum 25. Jahrestag der kubanischen Revolution: „Wer Kuba angreift, greift letztlich auch uns an. Und was wir für Kuba tun, tun wir zugleich auch für uns.“

Genau aus diesem Grund sind wir hier, aus genau diesem Grund unterstützen wir Kuba und seinen sozialistischen Weg.

Für mich, für uns ist Kuba in seiner realen politischen Existenz unverzichtbar: zur Bewusstseinsbildung, zur Mobilisierung und für die politische Identität einer fortschrittlichen und optimistischen Position.

 „Wenn ich schließe, möchte ich mir nicht vorwerfen müssen, ein Prinzip nicht verteidigt, eine Wahrheit nicht ausgesprochen, ein Verbrechen nicht angeklagt zu haben.“ Das sagte Fidel Castro in seiner historischen Verteidigungsrede »Die Geschichte wird mich freisprechen!« am 16. Oktober 1953, 82 Tage nach dem historischen Sturm auf die Moncada-Kaserne in Santiago de Cuba sowie die Kaserne “Carlos Manuel de Céspedes” in Bayamo.

Es wird mir heute bestimmt nicht gelingen alle Verbrechen anzuklagen, alle Wahrheiten auszusprechen oder alle Prinzipien zu verteidigen. Zu viele Verbrechen gibt es auf dieser Welt, zu viele Wahrheiten müsste man hinausschreien und allerlei Prinzipien festlegen, um auf die vielen Fragen, die uns heutzutage beschäftigen, die richtigen Antworten zu geben. Wer jedoch offenen Auges in die heutige Welt hineinschaut wird auch ohne detaillierte Aufzählung bald merken, von wem die Verbrechen ausgehen, wer die Wahrheiten unterdrückt und wer internationale Prinzipien verletzt. Das aktuelle Beispiel Venezuela zeigt dies nur allzu deutlich.

Kuba jedoch beweist uns seit 60 Jahren, dass es auch anders gehen kann; dass der Respekt gegenüber den Menschen mehr zählt als die Suche nach Profitmaximierung, dass es mehr Sinn macht Ärzte und Lehrerinnen zu exportieren, als Kriegsgeräte und dass es möglich ist, die Gesellschaft im Interesse des eigenen Volkes zu gestalten.

Angesichts der Übermacht des Unerträglichen mit der wir tagtäglich in unserer kapitalistischen Welt konfrontiert sind, ist und bleibt Kuba ein Leuchtturm der Hoffnung, dass eine Welt jenseits von Hunger, Krieg, Unterdrückung und Ausbeutung möglich ist. Doch diesen Weg der Veränderung müssen wir selbst gehen. Denn wie sagte Fidel damals vor Gericht: „Diesem Volk, dessen angstvolle Wege mit Täuschungen und falschen Versprechen gepflastert sind, wollten wir nicht sagen: »Wir schenken dir etwas«, sondern: »Da hast du die Möglichkeit, jetzt kämpfe mit all deiner Kraft, damit die Freiheit und das Glück dein sei!«“

Also kämpfen wir auch nach 50 Jahren weiter für Kuba und eine bessere Welt!
Engagieren wir uns weiter für die Freundschaft zwischen dem kubanischen und österreichischen Volk!

In diesem Sinn: Feliz cumpleaños, ÖKG! Auf viele weitere erfolgreiche Jahre!

Viva la Revolución Cubana!
Viva Cuba socialista!
Hasta la victoria, siempre!

Venceremos!

 

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